Informationsdiät

Informationsdiät – Wie viel Werbung ist in der Hosentasche?

In Allgemein von Christian Arns0 Comments

Was die Informationsdiät auf unserem Smartphone ausmacht? Im Durchschnitt soll nach Ansicht verschiedener Kommunikationsforscher auf jeden Deutschen zwischen 2.500 und 10.000 Werbebotschaften pro Tag einprasseln. Ich habe mich gefragt, wie viele davon auf dem Smartphone erscheinen. Um das herauszufinden, habe ich ein Selbstexperiment durchgeführt.

Mir selber ist aufgefallen, dass ich täglich viel zu oft auf mein Handy schaue. Dabei ist es erstmal egal, ob es Soziale Netzwerke oder Werbebotschaften sind. Dieses Gefühl, dass man jederzeit eine Nachricht bei WhatsApp, Facebook und co. bekommen könnte, ist einfach unheimlich ablenkend. Um mich selber etwas zu entlasten, habe ich fünf Monate  mein Smartphone jeden Tag zuhause gelassen und mich für eine Informationsdiät entschieden. In dieser Zeit habe ich exakt einmal am Tag auf mein Smartphone geschaut. Und das war abends nach dem Essen für 5 Minuten, wo ich alle WhatsApp Nachrichten beantwortet habe. Der Akku hat sich in der Zeit sehr gefreut. Mein Handy hat knapp eine Woche gehalten. WOW, Ich fühlte mich wieder so, als hätte ich ein altes Nokia 3310 in der Hand.

Was ist mir aufgefallen?

Jeden Tag bin ich mit der S-Bahn zur Arbeit gefahren. Dabei habe ich mir angewöhnt, anstatt auf Facebook und Twitter Neuigkeiten zu lesen, einfach ein Buch oder beispielsweise die T3N oder andere Online-Marketing-Zeitschriften zu lesen. Nach einigen Tagen wurde es schon zur Gewohnheit, in gedruckten Medien zu lesen. Dazu muss ich noch hinzufügen, dass ich nie eine Leseratte war.

Jeder kennt das Gefühl, wenn man in einer 4er Sitzbank in der Bahn sitzt und angeschaut wird. In dieser Zeit ist es mir besonders aufgefallen, dass man oft angestarrt wird. Nicht weil man vielleicht noch das Mittagessen im Gesicht hat – nein, sondern weil ich ein Buch lese. Vielleicht liegt es an meinem Umfeld, aber ich bin der Meinung, dass heutzutage mehr auf Smartphones, Tablets oder Kindles gelesen wird, als in gedruckten Büchern. Natürlich gibt es auch Ausnahmen, aber der Großteil von uns liest nun mal online. Jeden Tag ist mir aufgefallen, wie viele Leute mittlerweile ein Smartphone/Tablet haben. Jede Wartezeit die ich an Bahnhöfen verbracht habe, habe ich genossen. Weil es mich einfach so fasziniert hat, wie wir uns entwickelt haben. Wenn man sich umschaut, sieht man Kinder im Grundschulalter mit einem iPhone der neuesten Generation herumlaufen. Ich muss ehrlich zugeben, dass ich in der Grundschule nicht die Verantwortung hätte tragen können, ein Smartphone im Wert von knapp 1000€ bei mir zu tragen.

Mittlerweile ist es auch schon die ältere Generation, die mit Amazon Kindles usw. ihre Bücher lesen. Ich toleriere das voll und ganz, aber finde es trotzdem etwas merkwürdig. Weil vor einigen Jahren wurde mir von dieser Generation oft gesagt „diese Smartphones machen nur viereckige Augen“ usw. Dieser Spruch soll heißen, dass sie schädlich für die Augen sind. Aber nach den fünf Monaten verstehe ich diesen Spruch/Aussage/ tatsächlich. Es geht hier nicht um unsere Augen, sondern ganz einfach um unsere Umwelt. In dieser Zeit habe ich sehr viel darüber gelernt, meine Umwelt besser wahrzunehmen.

Situationen in der S-Bahn

Wie jeden Tag nach der Arbeit, stieg ich in die Bahn ein und halte Ausschau nach einem Sitzplatz. Überall nur diese Leute (nicht böse gemeint, ich bin ja selber so), die auf ihr Smartphone starren. Aus Protest, setze ich mich in einen „4er“, wo keiner etwas in der Hand hält, in der Hoffnung, mit einem von ihnen zu kommunizieren. Kein aufdringliches Gespräch wie „hey, ich bin Christian, wer bist du?“. Das meine ich damit nicht. Man kann auch kommunizieren, in dem man sich nur anschaut und eine Mimik macht. Ich sitze gegenüber von einem Herrn in einem Anzug und denke mir schon „wann zückt er seine Verteidigungswaffe vor einer Kommunikation (Handy)?“. Gar nicht! Wir zücken fast gleichzeitig unser Buch aus der Tasche und fangen an zu lesen. An der nächsten Station steigen zwei weitere Personen ein und setzen sich zu uns. Etwas zeitversetzt zücken auch die anderen beiden ihr Buch. Rechts neben uns im „4er“ sitzen, wie auch sonst, drei mit einem Smartphone. Zeitgleich realisieren wir dies und fangen an zu grinsen. Mein Gegenüber musste zufälligerweise auch in Kirchseeon aussteigen. Auf Grund der Situation haben wir uns noch kurz unterhalten. Worum es in den Büchern geht, was wir arbeiten (Er-> Anzug, Ich -> Hemd). Ob es an unserem Charakter lag, dass wir uns noch unterhalten haben, ist hier nicht relevant. Ich glaube von mir aus, dass ich mich mit einem Smartphone in der Hand anders verhalte HABE, als mit einem Buch.

Brauchen wir wirklich ein Smartphone?

Mein erstes Handy wurde mir gekauft, um erreichbar zu sein, falls einmal etwas passieren sollte. In den fünf Monaten Selbstexperiment, gab es aber keine Situation in der ich wirklich auf ein Handy angewiesen war. In der ersten Woche passierte gleich ein Vorfall, der mich zum Zweifeln brachte, ob ich wirklich so lange ohne Smartphone überleben kann. Die Informationsdiät hatte also keine schlechte Auswirkung auf mein Leben.

Handy für Notfälle

Abends um 18 Uhr laufe ich nach der Arbeit zur S-Bahn Station und warte auf die Bahn. Es erklang eine Durchsage, die aussagte, dass keine Züge mehr fahren, da ein Sturm wütet. Daraufhin lief ich zum nächsten Busbahnhof, in der Hoffnung, dass ich dort einen Bus in Richtung nach Hause finde. Leider fuhr keiner so weit, wie ich es benötigte. Umstiegsmöglichkeiten gab es auch keine und der Busfahrer verwies mich an eine Taxigesellschaft. Nun stand ich da, schon ziemlich genervt mit einer Taxinummer, aber ohne Handy. In dieser Situation zweifelte ich an meinem Durchhaltevermögen, zwecks Informationsdiät. Denn diese hatte damit nichts zu tun. Ich lief also in Richtung Heimat, mit dem Finger/Daumen nach oben, in der Hoffnung, dass mich jemand mitnehmen würde… Fehlanzeige. Glücklicherweise, fing es noch an zu regnen und danach zu hageln. Im nächsten Ort stellte ich mich kurz am S-Bahnhof unter, um vielleicht noch eine Bahn zu erwischen… Auch hier „Fehlanzeige!“. Mir blieb nur noch die Möglichkeit ein Taxi zu rufen. Mir war klar, dass mein kleines Praktikumsgehalt sich darüber nicht freuen würde. Ich lief also zum nächsten Geschäft und bat darum, das Telefon zu benutzen. Ich freute mich zuerst, dass die Taxizentrale ans Telefon gegangen war. Nach dem kurzen Glücksmoment, wurde mir freundlich mitgeteilt, dass die Wartezeit zu dem Zeitpunkt 2–3 Stunden beträgt. Als ich dann letztendlich um 20:30 Uhr durchnässt zu Hause war, wurde mir klar, dass mir mein Smartphone in dieser Situation nichts gebracht hätte. Also kein Unterschied mit der Informationsdiät.

Diese Ausrede, dass man es für Notfälle bei sich trägt ist also Schwachsinn. In Wirklichkeit sind wir alle abhängig von der Informationsüberflutung. Wir brauchen die Informationen um diese anderen Freunde bei Facebook und Twitter mitzuteilen, unterwegs ein Bild für Instagram von seinem Mittagessen zu machen oder eine lustige Situation in einem Snap zu teilen. Eine Informationsdiät schreckt wohl viele Menschen ab. Oder würdest du dein Smartphone über einen längeren Zeitraum zuhause lassen?

Was hat sich mit der Informationsdiät verändert?

Nachdem ich mehrere Monate den Konsum meines Smartphones drastisch gesenkt hatte, habe ich auch danach versucht es wenig zu nutzen. Ich trage es zwar wieder täglich bei mir, aber nutze es deutlich weniger im Gegensatz zu vorher. Beispielsweise habe ich früher immer auf mein Handy geschaut um die Uhrzeit herauszufinden, obwohl ich eine Armbanduhr trage. Das lag daran, dass ich automatisch in meine Hosentasche gegriffen habe, um mein Smartphone zu zücken. Da ging es auch darum, kurz zu schauen, ob ich eine Nachricht bekommen hatte. Jetzt schaue ich nur noch auf mein Handy, wenn ich wirklich eine Nachricht erwarte oder eine versenden muss. Aber nicht nur die Reduzierung der Intervalle, in denen ich auf mein Smartphone schaue, hat sich verändert. Viel wichtiger war für mich die Wahrnehmung der Außenwelt. Ich persönlich kann es überhaupt nicht leiden, wenn man bei dem Essen sein Smartphone benutzt, obwohl andere bei einem sitzen. Das ist also ein Widerspruch in sich, wenn man kommunizieren will, wenn doch die anderen direkt vor einem sitzen. Die Informationsdiät sollte an jedem Esstisch Pflicht sein!

Meine Inspiration habe ich durch das Buch „4 Stunden Woche“ von Tim Ferris bekommen.

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